Johannes Rau
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| "Man sollte das so ernst nehmen, wie es gemeint
war." Frankfurter Allgemeine Zeitung 02.11.1998 |
Wie sollen Jugendliche die Regeln unserer Gesellschaft
akzeptieren lernen, wenn ihnen die Gesellschaft weder eine verlässliche
Perspektive in Form von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen noch genügend Kultur-
und Freizeiteinrichtungen gewährt? Hier für Abhilfe zu sorgen, ist jeder
Anstrengung wert, ...
Ich unterstreiche an dieser Stelle noch einmal, dass nach meinem Verständnis
auch die Kultur eines Landes eine zentrale Bedeutung im Sinne von Prävention,
zur Verhinderung von Fehlentwicklungen Jugendlicher hat.
Ich wiederhole sehr bewusst meinen Satz: "Wer Musikschulen schließt,
schadet der Inneren Sicherheit."
Ich freue mich, dass dieser Satz auch den Beifall der Opposition gefunden
hat.
Ich meine ganz ernsthaft: Wer Musikschulen schließt, versündigt sich an der Inneren Sicherheit. Wenn Kinder nur intellektuell, nicht aber auch musisch gefördert werden, entstehen charakterliche Deformationen, die sich auch als Gewalt äußern.
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Eine Stadt, die etwas auf sich hält, kann heute bei den Sing- und Musikschulen nicht mehr von freiwilligen Leistungen sprechen, die man gnädigerweise gibt. Eine Stadt, die etwas auf sich hält, die ein kultureller Mittelpunkt sein will, muss eine Musikschule haben.
Die Kommunen verstehen die Mittelbereitstellung für Musikschulen in der Praxis als eine verpflichtende Aufgabe.
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"Musik zivilisiert. Musik macht wachsam. Musik weckt die Fantasie. Sie tröstet dich, wenn du traurig bist, sie bringt dich zum Lachen, wenn du dir Sorgen machst, und sie macht deinen Kopf klar, wenn alles drunter und drübergeht.
Wer Musik macht, lernt nicht zu hassen. Wer Musik macht, lernt zu hören, zuzuhören und zu denken."
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Musikschulen tragen zur geistig-seelischen Gesundheit unserer Kinder und jungen Leute ebenso bei wie der Sport zu ihrer körperlichen Gesundheit. Hier wie dort entsteht ein soziales und humanes Klima, in dem Drogen keine Chance haben.
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Qualität und Innovation – zwei Schlüsselbegriffe für unser Unternehmen, die wir auch in der musikalischen Bildungsarbeit der Musikschulen wiederfinden.
Mit der Dresdner Jugendinitiative "Alles Oper?" wollen wir darauf aufmerksam machen, dass die musikalische Bildungsarbeit und Nachwuchsförderung der Musikschulen den Nährboden für unsere musikalische Spitzenkultur in Deutschland bereitet, wie sie durch die Dresdner Semperoper beispielhaft repräsentiert ist.
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[Dr. Michael Otto förderte den Neubau der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg mit einer Spende von 5,5 Millionen DM.]
Eine gute Investition. Die Jugend ist unsere Zukunft.
Gefragt ist eine Vielzahl von Eigenschaften: Selbständigkeit und Bindungsfähigkeit, Kreativität und Entscheidungsvermögen, Toleranz, Kultur- und Weltoffenheit. Aber auch ein In-Sich-Ruhen bei steigender Informationsflut und rasanten technischen Entwicklungen, das Unsicherheiten aushalten lässt und auch nach Misserfolgen neue Chancen suchen lässt.
Dass diese Lebenskompetenz entscheidend durch eine engagierte musikalische Bildung geprägt wird, ist unumstritten.
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Kunst und Kultur gehören zum Atem einer Gesellschaft. Wenn ihr die Luft ausgeht, entsteht Atemnot, und die Gesellschaft droht schließlich zu kollabieren.
Wo die Kultur nicht atmet, wird die Luft dünn.
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